Wirklichkeit Spielen, in echt jetzt

Bin immer noch etwas berauscht, von der Gamescom im Allgemeinen und einem Virtual-Reality-Trip im Besonderen. Das Spiel war ziemlich simpel, aber das Erleben durch die VR-Brille atemberaubend, aufregend und schön. Immer wenn ich davon erzähle, bekomme ich eine Gänsehaut. Und ich hatte dieser Tage ständig das Bedürfnis von meinem Rausch zu erzählen, während ich auf der Messe eine Online-Ambulanz für internetsüchtige Menschen vorgestellt habe, die süchtig nach dem Leben in virtuellen Welten sind. Mag pathetisch klingen, aber ich habe in die Zukunft gesehen, allerdings auch in die der Internetabhängigkeit. Wirklichkeit Spielen, in echt jetzt weiterlesen

Spielverderben

Passend zur Gamescom steigt die Zahl der abhängigen Gamer in unserer Ambulanz mal wieder an. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Patient wegen einer Computerspielsucht oder dessen verzweifelte Angehörige bei uns vorstellig werden. Da kann man schon mal wütend werden auf das Gaming und die Industrie, die damit ein Milliardengeschäft macht. – Nur dass keine Missverständnisse aufkommen, ich habe grundsätzlich nichts gegen Computerspiele. Bin selbst schon mit ihnen groß geworden: Pong, Atari, C64, you name it. Um auf dem Stand zu bleiben, spiele ich auch heute noch, mal gezielt und mal nur so zum Spaß. Mein Verständnis für den Reiz der Spiele kommt mit Pokémon GO allerdings gerade an seine Grenzen, wenn ich vor die Tür gehe und erwachsene Menschen dabei beobachte, wie sie im Straßenverkehr und in Parks virtuelle Monster fangen. Das ist doch eine infantile Mischung aus Fangen Spielen und Panini-Bildchen Sammeln. Längst haben sich im Zusammenhang mit solchen Smartphone-Spielchen Unfälle mit lebensgefährlichen und sogar tödlichen Folgen ereignet. Spielverderben weiterlesen

Tinder Dir (K)eine(n)

Melde mich aus dem abgeblasenen Sommerloch mit einem unpolitischen Thema zurück. Sexualität geht immer. Immerhin beziehe ich mich auf eine US-amerikanische Studie, die darauf hindeutet, dass junge Erwachsene immer weniger Sex haben. (Das dürfte noch nichts damit zu tun haben, dass mit den Obamas so oder so nun erst einmal jeglicher jugendliche Sexappeal aus dem Weißen Haus ausziehen wird.) Es wurde die Frage augefworfen, ob nicht das Rendez-Vous im Zeitalter seiner technologischen Reproduzierbarkeit gerade durch den Einsatz von Dating-Apps in seiner letzten sexuellen Konsequenz eher behindert als gefördert wird. Der Begriff Disruption gewinnt in diesem Geschäftsfeld eine ziemlich ambivalente Dimension. Beim Thema Sex scheinen die Algorhythmen jedenfalls noch nicht flächendeckend zu erotischen Eruptionen zu führen. Dass die Menschen durch die digitale Kuppelei zwar weniger, aber dafür aber besseren Sex haben, erscheint mir als eher unwahrscheinlich. Tinder Dir (K)eine(n) weiterlesen