Kloster in mir

Heute ist Sonntag, die Ausnahme von der Regel einer in der Regel arbeitsreichen Woche. Ich halte mir den Sonntag gerne schon mal frei von digitalen Medien. Aber vielleicht liegt das einfach nur daran, dass ich mit Computern vor allem Arbeit verbinde und mich nicht gut genug darauf verstehe, es mir auch im Netz schön zu machen. Was für die Woche der Sonntag, ist mir für das Jahr eine Woche Auszeit im Kloster. Damit habe ich schon vor über zwanzig Jahren begonnen, zu einer Zeit als ich noch gar kein mobiles digitales Endgerät mein eigen nannte. Die kostbare Zeit dort ist mir nach wie vor lieber als Digital-Detox-Retreats.   Kloster in mir weiterlesen

Auch eine Entscheidung

Eine Online-Ambulanz für Online-Süchtige, das empfinden tatsächlich nicht wenige als eine Provokation. Das Schwarz-Weiß-Denken, ob es nun um die gute alte analoge und die schöne neue digitale Welt geht, oder um die scheinbare Unvereinbarkeit von Euphorie und Besorgniserregung angesichts der Virtualisierung des Alltagslebens, wir haben es wohl längst noch nicht überwunden. Auch eine Entscheidung weiterlesen

Ins Netz sterben

Wenn der Herbst kommt, ist heutzutage der Winter nicht mehr weit. Das Sterben kommt jedoch auch weiterhin bestenfalls nach dem Abschiednehmen. Solange wir noch nicht als individuelle Bots in der digitalen Welt oder als androide Roboter in der analogen Welt ewig weiterleben können, solange das ewige Leben im Science Fiction noch auf sich warten lässt, solange sollten wir uns wohl noch mit dem Sterben im Internetzeitalter befassen. Apropos Sterben, Eltern haben dafür zu sorgen, dass ihre Nachkommen möglichst direkt in die digitale Welt hineingeboren werden. Die heute Erwachsenen legen für ihre Brut schon Accounts in sozialen Netzwerken an, bevor sie überhaupt geboren werden. Da ja ein Fötus noch kein Selfie von sich machen kann, müssen hier Gynäkologen und werdende Eltern gewissenhaft die Dokumentation der ersten Lebenszeichen übernehmen. Nach den Ultraschallbildern der sich stets bis aufs Ei gleichenden Föten wird wohl bald auch die künstliche Befruchtung live und in Farbe aus der Petrischale übertragen. Dank Biotechnologie können wir bald am digitalen Reißbrett Avatare erschaffen, nach deren Ebenbild unsere Nachhut gezeugt, ausgetragen und großgezogen wird. Den Lebensanfang hätten wir damit schon einmal schön unter Kontrolle. Ins Netz sterben weiterlesen

V.T. – Virtual Therapy

Bald werden wir Psychotherapeuten wohl auch von künstlicher Intelligenz ersetzt. Warum sollten es Bots nicht besser können als wir? Das mit den Gefühlen wird wohl überbewertet. Die müssen wir manchmal selbst simulieren, wenn es uns gerade mal an Empathie mangelt, weil privat nicht alles rund läuft. Und wenn die artifizielle Intelligentsia dann in die Computergehirne von Robotern umzieht, die vielleicht noch biotechnlogisch mit Haut und Haaren überzogen sind, dann haben auch wir Seelenklempner ausgedient. Vielleicht hat bald ohenhin jeder seinen Androiden daheim, der wahlweise alles für uns sein kann, nicht allein FreundIn, PartnerIn und LiebhaberIn, sondern eben auch PsychotherapeutIn. Die Bindung an so eine eierlegende Wollmilchsau des Internetzeitalers dürfte sich als ziemlich eng erweisen. V.T. – Virtual Therapy weiterlesen

Wirklichkeit Spielen, in echt jetzt

Bin immer noch etwas berauscht, von der Gamescom im Allgemeinen und einem Virtual-Reality-Trip im Besonderen. Das Spiel war ziemlich simpel, aber das Erleben durch die VR-Brille atemberaubend, aufregend und schön. Immer wenn ich davon erzähle, bekomme ich eine Gänsehaut. Und ich hatte dieser Tage ständig das Bedürfnis von meinem Rausch zu erzählen, während ich auf der Messe eine Online-Ambulanz für internetsüchtige Menschen vorgestellt habe, die süchtig nach dem Leben in virtuellen Welten sind. Mag pathetisch klingen, aber ich habe in die Zukunft gesehen, allerdings auch in die der Internetabhängigkeit. Wirklichkeit Spielen, in echt jetzt weiterlesen

Spielverderben

Passend zur Gamescom steigt die Zahl der abhängigen Gamer in unserer Ambulanz mal wieder an. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Patient wegen einer Computerspielsucht oder dessen verzweifelte Angehörige bei uns vorstellig werden. Da kann man schon mal wütend werden auf das Gaming und die Industrie, die damit ein Milliardengeschäft macht. – Nur dass keine Missverständnisse aufkommen, ich habe grundsätzlich nichts gegen Computerspiele. Bin selbst schon mit ihnen groß geworden: Pong, Atari, C64, you name it. Um auf dem Stand zu bleiben, spiele ich auch heute noch, mal gezielt und mal nur so zum Spaß. Mein Verständnis für den Reiz der Spiele kommt mit Pokémon GO allerdings gerade an seine Grenzen, wenn ich vor die Tür gehe und erwachsene Menschen dabei beobachte, wie sie im Straßenverkehr und in Parks virtuelle Monster fangen. Das ist doch eine infantile Mischung aus Fangen Spielen und Panini-Bildchen Sammeln. Längst haben sich im Zusammenhang mit solchen Smartphone-Spielchen Unfälle mit lebensgefährlichen und sogar tödlichen Folgen ereignet. Spielverderben weiterlesen