Der US-Amerikanische Wahlspruch lautet „E pluribus unum“ und bedeutet „aus vielen eines“. „Pluribus“ bedeutet übersetzt „für viele“ oder auch nur „viele“. Pluribus heißt auch eine neue Serie, die mich gleich in ihren Bann zog, weil sie mir so schrecklich visionär erscheint.
Am Tag, an dem ich die ersten beiden Folgen sah, hatte ich morgens in der Zeitung gelesen, dass das Internet, wie wir es kennen, gerade wie ein faulendes Gewässer umkippt. Es werden täglich mehr Texte von KI in den digitalen Orkus eingespeist, als von Menschen eingegeben werden. Das macht das Netz nicht schlauer und markiert auch sicherlich nicht den Moment der „Singularität“, in dem sich gemäß Kurzweil ein künstliches digitales Bewusstsein über die Menschheit erhebt. Aber das ist sicherlich ein Meilenstein, weil Schriftsprache eben die geistige Sphäre hervorbringt, die wir Menschen brauchen, um Bewusstsein und freien Willen zu entfalten und zu erhalten. Es ist der Garant für die Macht über uns selbst.
In der Serie geht es um eine Frau in den Vereinigten Staaten, die nicht wie fast alle Menschen auf dem Planeten von einem Virus infiziert wird, der alle menschlichen Gehirne miteinander verbindet, sodass alle alles wissen und entsprechend handeln können. Die Menschen werden damit zu ausführenden Organen des entstandenen Superhirns. Sie sind sogar auf eine bestimmte menschenfreundliche Moral hin programmiert. Aber sie wirken trotzdem wie Zombies und jagen der Protagonistin und mir einen gehörigen Schrecken ein.
Die Ausgangssituation beziehungsweise die Versuchsanordnung kann eigentlich nur eine Parabel darauf sein, was passiert, wenn die Gehirne von Robotern mit einer künstliche Intelligenz ausgestattet sind, die alles Weltwissen miteinander verbindet. Was passiert, wenn androide Roboter derart gleichgeschaltet sind und damit auch eine ganz besondere Aufgabenteilung vornehmen können?
Dass KI und Robotik, die gerade exponentiell besser werden, auf diese Weise miteinander verbunden sein werden, wird momentan noch weitgehend verdrängt. Was das für Kampfroboter und Sexroboter bedeuten wird, die aufgrund ökonomischer Erfolgsaussichten stets die Vorhut bilden, können wir uns schon einmal ausmalen. Sex and Crime werde uns bei unseren niedersten Instinkten packen, abhängig und gefügig machen. Aber das dürfte erst der Anfang sein.
Die wirklich spannenden Situationen in der Serie scheinen sich daraus zu ergeben, dass die Menschen von der Virus-DNA alle auf Menschlichkeit, auf das Gute programmiert sind. Sie sind alle schrecklich nett und gut gelaunt im Gegensatz zu der Überlebenden, die ziemlich depressiv und aggressiv daherkommt. Sie kommt dadurch in Argumentationsschwierigkeiten, wenn sie darüber diskutiert, warum ihr nun die Aufgabe zufällt, die Menschheit in ihrer Version zu retten. Wer sind die besseren Menschen, wenn androide Roboter nicht böse, also nur gut sein können?Wir echten Menschen werden wohl in Erklärungsnot kommen, um unser Dasein zu rechtfertigen und das Existenzrecht von Robotern zu begrenzen .Auf die programmierten Wertvorstellungen kommt es an. Und die hängen von den Produzenten ab, wenn diese nicht zu allererst von Verfassung und Politik bestimmt werden.
Am Abend desselben Tags wurde in den Nachrichten berichtet, dass Elon Musk fast eine Billionen Dollar unter anderem dafür and Bonuszahlungen seines Konzerns bekommt, dass er eine Millionen Robotaxis und eine Millionen humanoide KI-Roboter in die Welt setzt. Diese werden sich eine KI teilen und – wenn es nach Musk geht – werden deren Werte von einem einzigen Mann vorgegeben. Das ist derselbe Mann, dem etwa zwei Drittel der Satelliten gehören und der mit seiner Firma Neuralink daran arbeitet, Schnittstellen zwischen Computerchips und menschlichen Gehirnen zu entwickeln und produzieren. Alles in einer Hand. Wollen wir vielen das wirklich?