auch das noch: Medienachtsamkeit

Nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag versuchte ich mich ganz bewusst auf einen entspannten Abend einzurichten. Allein zuhause wollte ich mal alle großen und kleinen Computer links liegen lassen. Ein TV-Dinnner sollte ich mir auch nicht durchgehen lassen, mir sogar das Zeitunglesen beim Abendessen versagen. Ohne Musik geht bei mir allerdings gar nichts. Damit gelingt mir zumindest die Zubereitung von Speisen, ohne dabei zu telefonieren. Viel weiter reichen meine Versuche, den Alltag achtsam und auch mal ganz ohne Medien zu gestalten in der Regel nicht. Aber immerhin langt es, um tief durchzuatmen und beim Kochen so etwas wie Achtsamkeit walten zu lassen. In solchen Momenten kann ich den Alltag mit Muße zelebrieren, was sich bisweilen etwas bedeutungsschwanger anfühlt. auch das noch: Medienachtsamkeit weiterlesen

moderne Nabelschnüre: Von Schnabelbechern und Smartphones

Während eines mittlerweile zwanzig Jahre zurückliegenden medizinischen Praktikums in einer amerikanischen Klinik fiel mir diese Unart zum ersten Mal auf. Während der Visite hielten alle Ärztinnen und Ärzte weiße Pappbecher mit einem Plastikdeckel in der Hand, aus dessen Fortsatz sie unentwegt Kaffee in sich hineinschütteten. Schnabeltassen waren mir erstmals während eines Pflegepraktikums fünf Jahre zuvor begegnet. Heute muss ich wieder daran denken, wenn ich versuche Studenten oder Patienten klar zu machen, dass ich es unangemessen finde, während der Seminare und Therapiesitzungen zu trinken oder zu essen. Ich versuche dann mit Humor auf die wissenschaftliche Erkenntnis hinzuweisen, dass man tatsächlich ein, zwei Stunden ohne Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr überleben kann. Dass man abends auch ohne eine Flasche Bier in der Hand U-Bahn fahren kann, behalte ich vorsichtshalber für mich.

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old school: Der digitalen Bildungsoffensive zum Trotz

Der erbärmliche Zustand der Schulen in unserem Land fiel mir bereits als Kind unangenehm auf. Nicht nur mein Gymnasium sah ziemlich runtergekommen aus. Anstatt zu renovieren wurde ein Pavillon nach dem anderen angebaut. Auf dem Schulweg nachhause, vorbei an den öffentlichen Gebäuden und Geschäftshäusern der Stadt, dachte ich mir schon: Das sind wir Kinder unserer Gesellschaft also wert. Seit ich in meine Heimatstadt zurückgekehrt bin, muss ich feststellen, dass sich daran auch 25 Jahre später nichts geändert hat, ebenso wenig wie an dem beklagenswerten Zustand des Schulsystems selbst.

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Bildungs Fernsehen

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mir eine befreundete Künstlerin zu meiner Überraschung erklärte, dass sie mit großer Begeisterung die Autobiographie von Dieter Bohlen lese. Sie tat dies nicht etwa defensiv und mit lustvoller Beschämung, nein sie gab mir das Gefühl, völlig daneben zu liegen, Dieter Bohlen und seine Casting-Show, die damals in der ersten Staffel lief, unerträglich und inakzeptabel zu finden. Sie ist wohl die erste in meinem Freundeskreis gewesen, die in diese Richtung quasi umgekippt ist. Was mir damals wie ein künstlerischer Coup vorkam, scheint mittlerweile Methode zu haben. Viele Staffeln später, in denen nicht nur um die Wette gesungen, sondern auch getanzt, gekocht und gemodelt wird, scheinen die öffentlichen Castings längst in allen gesellschaftlichen Gruppen salonfähig geworden zu sein. Bildungs Fernsehen weiterlesen

Hospital-TV

25.5.1997
Cleveland

A retarded young man, blind, deaf and mute by birth, lies in a hospital bed, while a TV-set is running all day long. An old woman with brain damage, who does not respond to questions, who does not speak and who may not see anything, lies there moaning in the light of another TV-set, showing cartoons. While an attending doctor and the residents examine an already dying patient, the interns and students watch a woman defending herself in a talk show for having cheated on her husband and family. Hospital-TV weiterlesen